Katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
Klausenerplatz 12/13
14059 Berlin-Charlottenburg
 
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus

 

Liebe Gäste,

liebe Gemeinde von St. Kamillus!

Fastenzeit, so nennen wir die 40 Tage vor Ostern. Manche von uns haben sich vorgenommen, auf etwas Bestimmtes zu verzichten, vielleicht auf Alkohol, Süßigkeiten, ausufernden Fernseh- und Computerkonsum; sie probieren aus, wie es ist „ohne“ etwas zu leben.

Andere möchten eine Haltung besonders in den Blick nehmen und einüben, etwa einen aufmerksameren Blick auf andere, mehr Gelassenheit oder Dankbarkeit. Die Zeit des Fastens gilt als eine Zeit der Übung, Versuchungen zu widerstehen.

Vierzig Tage und Nächte fastet Jesus in der Wüste. Man mag meinen, dass er dann doch alles überstanden hat, aber gerade am Ende wird er mit starken Mächten konfrontiert. „Versucher“, „Teufel“ nennt Matthäus diese Kräfte und erzählt, mit welch dreifachem Angebot die böse Macht Gottes Sohn in Versuchung führen möchte und wie entschieden Jesus darauf reagiert.

Die erste Versuchung liegt am nächsten: Hunger. Das Angebot lautet: Du kannst dich selbst satt machen! Genau das aber lehnt Jesus entschieden ab. Immer aus der eigenen Anstrengung zu leben, nur sich selbst zu vertrauen, zehrt aus und reicht am Ende doch nicht aus. Nur Gottes Liebe, die uns unbedingt und ohne Eigeninteresse geschenkt wird, macht wirklich satt. Manchmal verstehen wir, dass bloße materielle Versorgung nicht genügt; dass es einsam und starr macht, wenn man alles allein schaffen will. Satt werden, genährt werden geschieht durch liebevolle Begegnung, durch Vertrauen und Solidarität, durch einfühlsames Miteinander.

Die zweite Versuchung setzt diesen Gedanken fort: Wer fängt mich auf, wenn uns Hochmut und Eigensinn zu Fall bringen? Wenn wir unsere Grenzen nicht akzeptieren und mit unserem Tun nicht aufhören können, auch wenn wir merken, dass es uns oder anderen schadet? Die Antwort Jesu ist entschieden: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.

Das ist ein großer Reiz heutzutage: immer schneller, höher, weiter, aber ohne wirkliche Not, sondern nur, um den Kick zu spüren. Getriebene sind wir geworden, während wir selbst noch denken, es könnte uns nichts

aufhalten. Vielleicht passiert es dann mal, dass wir in dem Moment, in dem wir den Halt verlieren, plötzlich spüren, dass Gottes Liebe uns trägt und uns zurückführt auf den Weg, wo wir uns wieder orientieren können.

Der Glaube an Gott widerspricht entschieden dem Größenwahn. Gottes Liebe findet uns, wenn wir am Boden liegen, und stellt unsere Füße zurück „auf weiten Raum“, wie es der 31. Psalm sagt.

Die dritte Versuchung ist die Gier nach Macht und Herrschaft. Aber Jesus reagiert schroff und nennt den Versucher beim Namen: Satan. Zu verschieden sind dessen Art der Machtausübung und die Herrschaft Gottes. Die Entscheidung Jesu, auf der Seite Gottes zu bleiben, gibt ihm nicht nur die Stärke, Versuchungen zu widerstehen, sondern auch Gegenrede zu erheben.

Wir bemerken es eher bei anderen, wenn sie Macht ausüben, andere unterdrücken und den Versuchungen der Macht erliegen. Doch ist es nicht auch eine Versuchung für uns, um Anerkennung zu kämpfen, andere auszustechen, Situationen in unserem Sinne manipulieren zu wollen? So stellt uns diese dritte Versuchung, von der die Bibel erzählt, vor die Frage, wie wir mit unserer eigenen Macht umgehen, ob wir damit spielen, auf Beifall hoffen oder andere dazu bringen, in unserem Sinne Macht auszuüben. Wir können dem nur widerstehen, wenn wir die Macht Gott allein überlassen; dann wirkt sie zu unserem Wohl.

Vierzig Tage haben wir jetzt die Gelegenheit, unsere Entscheidung für diesen einen Gott bewusst durchzubuchstabieren. Vierzig Tage und Nächte, in denen wir auf sein Ja zu uns hören. Vierzig Tage und Nächte, in denen wir umkehren und unseren Blick, unser Ohr neu auf Gott hin ausrichten können.


Ich wünsche uns allen eine gesegnete Fasten- und Osterzeit!

 

Ihr Pater Krystian Respondek

/Pfarradministrator/

 
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