Katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
Klausenerplatz 12/13
14059 Berlin-Charlottenburg
 
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus

 

Liebe Gäste,

liebe Gemeinde von St. Kamillus!

eine der großen und bis in unsere Tage hinein unvergesslichen Glaubensgestalten ist und bleibt der heilige Pfarrer von Ars. Von ihm wird berichtet, dass er über einen längeren Zeitraum einen einfachen Bauern aus seiner Gemeinde beobachtete, der oft täglich stundenlang regungslos in seiner Kirche saß, ohne Buch und Rosenkranz in den Händen zu halten. Sein Blick war unablässig auf den Altar und den Tabernakel gerichtet. Eines Tages fragte Johannes Maria Vianney den Mann: ,,Was tust du denn hier die ganze Zeit über?" Der Bauer gab zur Antwort: ,,Ich schaue ihn an, er schaut mich an. Das ist genug."

Diese Begegnung machte einen bleibenden Eindruck auf den Pfarrer von Ars denn aus seiner Biografie wissen wir, wie sehr er mit der Eucharistie und der täglichen Anbetung verbunden war. Hier sah er die eigentliche Kraftquelle seiner Verkündigung, seiner Seelsorge und seines priesterlichen Handelns. Er hat verstanden, dass Jesus ihn nie aus der Monstranz von oben herab anschaut, sondern ihn in den tiefsten Wurzeln seiner Seele heilt. So schreibt er einmal: ,,Bei ihm einfach in Liebe zu verweilen, das ist alles, was ich tun müsste, mich von ihm lieben zu lassen, seinen Blick der Liebe auf mich ruhen zu sehen."

Am Montag, den 30. Juli, findet in unser St. Kamillus Kirche der Tag des Ewigen Gebetes statt. Vor uns wird das Allerheiligste gestellt. Wohl niemand von uns wird in diesem Augenblicken hier sein, ohne ihn anzuschauen und sich von ihm anschauen zu lassen.

Die Barmherzigkeit Gottes in unseren Tagen zu leben, ist sicherlich eine große christliche Herausforderung und ebenso eine geistlich-spirituelle Aufgabe, die uns aber selber bereichern, beschenken und gleichzeitig zeigen kann, dass es um die Welt und um die Kirche doch so schlecht nicht bestellt sein kann. Wir Christen sind in diese Kirche unserer Tage hineingestellt mit diesem konkreten Auftrag. Wir haben es scheinbar verlernt, vergessen oder wie auch immer: Die Kirche ist zuerst und vor allem eine betende Kirche, nicht eine diskutierende, nicht eine politisierende, nicht eine sozialisierende, nicht eine kulturelle, sondern eine betende, eine anbetende Kirche.

Anbetung, Gotteslob, Verherrlichung Gottes ist das Spezifische, das Besondere in und an der Kirche. Wir beten an, stell-vertretend und im Namen der gesamten Menschheit. Und wenn es nur wenige wären, die auf Erden noch anbeten - um dieser wenigen willen wäre die Welt nicht verloren, dem Untergang ausgeliefert; denn aus der Kraft der Anbetung können wir immer und immer wieder barmherzig und damit christlich-menschlich handeln.

Welchen Stellenwert die Anbetung jedoch tatsächlich hat, erfahren wir am besten, wenn wir uns selber niederknien und anbeten. Der Jesuitenpater Alfred Delp, der so überzeugend bekannt hat: ,,Brot ist wichtig' Freiheit wichtiger, am wichtigsten ist die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung." Lassen wir uns in diesem Sinn immer wieder von ihm, dem Herrn, anschauen und schauen wir ihn immer wieder an, denn das reicht wirklich aus!

All das könnte zum Fortlaufen bewegen und zum Aufgeben zwingen, hätten wir nicht die Gewissheit, dass wir nicht alleine sind, sondern Stunde um Stunde von der Gegenwart des Herrn, seiner Liebe und Barmherzigkeit umgeben und getragen sind. Die Gegenwart und Nähe des Herrn in der Eucharistie ist ein Prüfstein unseres Glaubens.

Lassen wir uns in diesem Sinn immer wieder von dem Herrn anschauen und schauen wir ihn wieder im Gebet an, wenn wir im Urlaub und Freizeit die heilende Kraft stiller Zeiten nutzen können!

 
Ihr Pater Krystian Respondek /Pfarradministrator/
 
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