Katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
Klausenerplatz 12/13
14059 Berlin-Charlottenburg
 
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
 
Die katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus

 

Liebe Gäste,

liebe Gemeinde von St. Kamillus!

»Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.«

Es sind die vielleicht bekanntesten Verse des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, die in diesen dichten Tagen rund um den Jah-reswechsel unzähligen Menschen Trost und Mut zusprechen. Bonhoeffer hat die Gedichtverse im Dezember 1944 im Gefängnis geschrieben in einem Brief an seine Verlobte, wenige Monate vor seiner Hinrichtung. Er beschreibt darin auf wunderbare Weise - trotz aller schmerzhaften und angstvollen Erfahrungen - das Gefühl von Bewahrung und Getragen sein. Und dieses Gefühl ist, wie er betont, letztlich wichtig für alle Menschen: »Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: „zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“ «Gute, unsichtbare Mächte, die uns begleiten. Behütende Engel auf dem Weg unseres Lebens. Und ein Gott, der als kleines Kind mitten in die Welt hineingeboren wird und die Menschen rettet - was der Name Jesus bedeutet.

Zu Beginn eines neuen Jahres stellt die Kirche mit dem »Hochfest der Gottesmutter Maria« diese außergewöhnliche biblische Frau in den Mittelpunkt. In all dem lauten Geböller und den feucht-fröhlichen Feiern, mit denen wir traditionell das vergangene Jahr beenden und das neue begrüßen, kann es ein heilsames Gegenmodell sein, diese eher leise und nachdenkliche Frau in den Blick zu rücken. Denn vielleicht geht es Ihnen ja auch so in diesen Tagen des Jahreswechsels, dass weniger die Feierlaune als das Nachdenkliche bisweilen überwiegt. An der Schwelle von dem alten 2017 zum neuen Jahr 2018 schauen wir zurück auf das Vergangene, in dem sicher vieles gelungen ist, anderes aber unvollendet geblieben ist. Da gab es schöne Momente für das Erinnerungs-Schatzkästchen, aber auch die schmerzhaften, die sich im Gedächtnis eingebrannt haben und vielleicht bis heute unser Leben beschweren.

Maria in diesen Tagen als Vorbild nehmen, könnte auch für uns bedeuten, sowohl für das Schöne als auch das Schwere einen guten Platz in unserem Innern zu suchen. »Im Herzen bewahren« nennt es die Bibel - ein wohlklingendes und sprechendes Bild. Zum Einsortieren der eigenen Erfahrungen mag eine bewusste Zeit des Alleinseins guttun oder ein Spaziergang an der frischen Luft. Oder das Anzünden einer Kerze und Stillwerden in einer Kirche. Oder auch ein ruhiges, konzentriertes Gespräch mit einem vertrauten Freund oder einer vertrauten Freundin.

Zum Bewahren des Vergangenen und bewussten Nachdenken auf die Zukunft hin braucht es noch eine grundlegende Haltung, die Maria uns vorgelebt hat und auch Dietrich Bonhoeffer in seinem Gedicht wunderbar beschreibt: Das Vertrauen. Ohne Vertrauen können wir letztlich keine Schritte gehen. Vertrauen in die guten Mächte, die uns begleiten.
Vertrauen: das Vertrauen. Ohne Vertrauen können wir letztlich keine Schritte gehen.
Vertrauen in die guten Mächte, die uns begleiten.
Vertrauen in das Licht, das immer wieder die Dunkelheit unseres Lebens erhellt.
Vertrauen in nahe Menschen, die uns nicht fallen lassen und auch in schweren Zeiten zu uns stehen.
Vertrauen in einen Gott, der Mensch geworden ist und uns sein Dasein zugesagt hat an allen Tagen unseres Lebens.

Lassen wir uns von dieser Zusage geleiten in das neue Jahr 2018 und versuchen dann getrost zu erwarten, was kommen mag. Denn: »Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.«

 
Ihr Pater Krystian Respondek /Pfarradministrator/
 
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